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Isolde Macho

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Resilienztraining

Dr. Isolde Macho

Was meint Resilienz?

Reslienz vom lat. resilire = zurückspringen, zurückprangen wird gern mit seelischer Widerstandskraft umschrieben. Dahinter steckt die Idee, dass widrige Umstände durch seelische Kraft von der Person abprallen. Mittlerweile wird der Begriff nicht mehr passiv verstanden, vielmehr als seelische Gestaltungskraft gesehen.
"Der Ball springt nicht nur ab, vielmehr springt er auch mit neuem Ziel und neuer Kraft wohin."



Wir unterscheiden Resilienzfaktoren als persönlichkeitsstärkende Kräfte und Haltungen, die unser Handeln beeinflussen.
Resilienzfaktoren:
Selbstannahme:
Seelische Widerstandskraft und Gestaltungskraft gründet in einer tiefen Selbstannahme, die nicht auf einer „Leistung“ oder Absicht beruht, vielmehr sich immer wieder nährt aus dem „Ja“ des Lebens zu uns. Noch bevor die Eltern „Ja“ zu einem oder vielleicht „Nein“ zu einem gesagt haben, gilt dieses „Ja“ für eine und einen jeden von uns ohne Verfallsdatum. Diese tiefe Selbstannahme impliziert eine Haltung des „Annehmen, was ist“ (=Akzeptanz). Diese Qualität der Annahme beruht nicht auf der Beurteilung, ob die Ereignisse oder die Situation richtig oder falsch ist, vielmehr aus einer stimmigen Verbundenheit mit sich selbst. Wir geben

den Ereignissen oder Erfahrungen einen Platz in unserem Leben (=Kohärenzsinn). Aus dieser Annahme, die emotional oft etwas mit Trauer, Loslassen, Schmerz, Klärung zu tun haben kann, wächst die Kraft für neue konstruktive Entwicklungen (= Optimismus). Selbstannahme ist vom Wesen her fehlerfreundlich und begeisterungsfähig. Scheitern und Nichtkönnen oder die Einsicht, dass man den eigenen Vorstellungen nicht entspricht sind wichtige Erfahrungen im Bezug auf das Einüben sich selbst zu vergeben und aus dem „Scheitern“ zu wachsen bzw. Neues gestalten zu lassen.

Lösungsorientiert
Resiliente Menschen schaffen den Weg aus dem Sumpf der Problemtrance hin zu einer lösungsorientierten Haltung und Handlungsweise. Was möchte hier und jetzt gesehen, gehört werden? Welche lebensbereichernden Bedürfnisse und Werte möchten wahrgenommen werden und Ausdruck finden? Lösungsorientiert bezeichnet nicht nur eine Haltung zu sich selbst, vielmehr äußert sie sich in konkreten Handlungen und Kommunikationsmustern. Lösungsorientiert heißt ein Würdigen von vergangenen Schwierigkeiten, Leid und Schmerzen als Kraft bzw. Potenziale, wie die Person dafür gesorgt hat, damit umzugehen - unabhängig davon, wie es ihr oder ihm gelungen ist. Lösungsorientiert bedeutet ein Bewusstsein zu entwickeln für Ressourcen, die sich in Widerständen verbergen können und richtet ihre Aufmerksamkeit auf konstruktive Ziele (= „gute Ergebnisse). Dies bedeutet kein Anstreben einer künstlichen oder billigen Harmonie. „Gute Ergebnisse“ in einem Entwicklungsprozess können sich schmerzhaft anfühlen bzw. unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen. Lösungsorientiert heißt auch weit und offen zu denken, statt „entweder – oder“, gibt es auch ein „Sowohl als Auch“, wie ein „Weder das eine noch das Andere“ und noch viel mehr, das erst mal gar nicht im Überlegungsrahmen Platz findet.

Verantwortungsbewusst
Die tiefe Selbstannahme als Grundelement für Resilienz ermöglicht Menschen immer wieder aus einer Opferrolle (mit dem etwas geschieht) hin zu einer schöpferischen Haltung und Wirkweise zu finden. Was passiert hier und wie kann ich damit umgehen? Verantwortung zu übernehmen, bedeutet auch eine Entwicklung raus aus schuldbefangenen Mustern, die jemanden demütigen und in weitere Abhängigkeit und Scham führen können. Verantwortungsbewusstsein bedeutet die Kunst des Bedauerns ohne Schuldzuweisung, vielmehr zeigt sie sich in einem Zutrauen zur Veränderung, da man gegen eigene lebensbereichernde Bedürfnisse zu wider gehandelt hat. Verantwortung zu übernehmen statt in einer moralisierenden Schuldenfalle zu hocken gibt Tätern und Opfern Würde.

Beziehungsgestaltend
Der Mensch als dialogisches Wesen ist auf ein Du ausgerichtet, auf drei Ebenen. Die Beziehung zu sich selbst im Sinne von Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung. Die Beziehung zum Anderen im Kontext von Kommunikation, Individuation, Abgrenzung und Hingabe. Und in einem spirituellen Sinne als sich wiederfindend in einem großen Ganzen, dem „Ganz Anderen“. Das Göttliche oder Ganze als „anders“ also nie fassbare (=besitzergreifende) Wirklichkeit und „ganz“ als nicht-unterscheidend eins mit dem Leben oder Gott selbst. Im Sinne der mystischen Erkenntnis: Das Auge mit dem Gott mich sieht, ist das Auge mit dem ich Gott sehe (frei nach M. Eckhart) oder „Nicht-Gott seiend bin ich nichts anderes.“ Dieser dritte beziehungsgestaltende Aspekte meint das Ausgerichtet sein des Menschen auf Transzendenz hin, in welcher religiösen Färbung dies auch in Worte gepackt wird.
Unsere Resilienz können wir da fördern, wo wir mit uns selbst eine liebevolle, sinnliche und sinnvolle Beziehung entwickeln, die unsere Körperlichkeit, Empfindungsfähigkeit, Vernunftbegabung und Handlungskompetenzen umfasst. Mit sich selbst in Beziehung sein, hat viel mit Selbstwahrnehmung zu tun und gleichzeitig auch mit der Kunst des gesunden Dissozierens. Darunter verstehe ich das Entwickeln einer „inneren Beobachterin“, also das Wahrnehmen von innerpsychischen oder äußeren sozialen Ereignissen ohne sie gleich beurteilen zu müssen. Z.B: das Wahrnehmen von, ich bin jetzt irritiert, ohne gleich zu beurteilen, ob das jetzt gut oder schlecht ist, irritiert zu sein. Oder sich der eigenen Körperspannungen bewusst zu werden, „meine Schultern sind hochgezogen“. Dann kann ich ausatmen und die Schultern ein stückweit sinken lassen. Ein in Beziehung sein mit sich selbst bedeutet auch, sich sogenannter innerer

Anteile oder Ressourcen und Bedürfnisse bewusst zu werden. Ob das jetzt das sogenannte innere Kind ist oder die innere Jugendliche, die Mutter in mir oder die Geliebte und Ehefrau. Es sind innerpsychische Anteile, die in bestimmten Situationen sich stärker oder schwächer melden, die unser Fühlen, Denken und
Handeln beeinflussen und bewusstgemacht bzw. gehört werden können.

Zur heilenden Beziehungsgestaltung mit sich selbst gehört, das sich selbst Aushalten in Einsamkeit, Stille und Alleinsein. Wo wir uns in Frage stellen können und Identifikationsmuster geklärt werden können. Die Praxis der Nur-Sitzens oder der nicht-gegenständlichen Meditation ist dabei eine reinigende Hilfe.

Nährende Beziehungen zu anderen können wir da gestalten, wo wir uns unserer Grenzen bewusst sind und für sie aufkommen. Ein anderer wird es oft schwerlich machen. Unsere Grenzen ermöglichen wahrhaftige Begegnungen. In länger andauernden Beziehungen ist es gerade im Kontext der Resilienzentwicklung förderlich, sich bestimmter Muster bewusst zu werden und sie zu überprüfen, gegebenenfalls zu unterbrechen und zu wandeln, sodass wir uns selbst und einander gut tun. Welche Rollen nehmen wir füreinander ein? Für welche biographisch bedingte Projektionen bieten wir Flächen?
Stabile und nährende Beziehungen beruhen auf Vertrauen und einer offenen Kritikfähigkeit. Empathisches Zuhören und das Wandeln von Vorwürfen in eine bedürfnisorientierte Sprache sind dabei methodisches Handwerkszeug.

Unser angewiesen sein auf ein, zwei oder drei „Dus“ hat nicht nur einen historischen oder biologischen Überlebensaspekt. Das Geborgensein oder die Zugehörigkeit zu sozialen Netzwerken stärkt auch unsere Individualität und ist konkreter Ausdruck einer Allverbundenheit mit allem Sein auf spiritueller Ebene.
Die Weisheit der Vielen und die Kraft der Gemeinschaft hat versöhnende und heilsame Qualität. Gerade im Kontext von Persönlichkeitsentwicklung, Konfliktbearbeitung oder Gesundung bedarf es einer tragfähigen Gemeinschaft. Nicht nur zur Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf mit unterschiedlichen Ressourcen und Schwächen. Auch zur Bearbeitung allgemeiner menschlicher Herausforderungen brauchen wir die Kraft der Gruppe. Wir müssen mit Schwierigkeiten in unserer westlichen individualisierten Gesellschaft nicht alleine fertig werden. Es gibt auch hier Gemeinschaft, die trägt und heilt.

Selbstwirksam
Sich selbst als wirksam, also als verändernd und veränderbar zu erfahren gehört zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen. Selbstwirksam bedeutet, dass nicht allein mein Handeln Konsequenzen zeigt, oft wirkt allein schon unser Dasein.
Selbstwirksamkeit hat viel mit Selbstbewusstsein und der Offenheit für die Unbeständigkeit des Lebens zu tun. Orientierung gibt uns dabei die tiefe Selbstannahme und der Sinn für die Stimmigkeit unserer Existenz. Es macht Sinn, das wir da sind, wie auch die Umstände sind. Konkret bedeutet das ein Gespür für erforderliche Veränderungen und Weiterentwicklungen. Wo wir Selbstwirksamkeit gepaart mit Verantwortungsbewusstsein zulassen, können wir in Zeiten des Wandels Strukturen hinterfragen und neue Orientierungselemente gestalten und entdecken. Selbstwirksamkeit ist die Fähigkeit persönliche Unsicherheiten und Ängste wahrzunehmen und zu benennen, um so wieder in ein Handeln zu finden. Diese Unsicherheiten sind oft ein Indiz für den Bedarf nach neuer Orientierung, nach Klarheit von Zielen und transparenter Kommunikation.

Alle diese Resilienzfaktoren stehen oder wirken nicht für sich isoliert. Sie wirken und beeinflussen einander beziehungsweise gleichen einander aus.

Unsere Fähigkeit zur seelischen Gestaltungs- und Widerstands – bzw. Veränderungskraft umfasst Körper, Geist und Sinn, sowie Herz und Seele.